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Hamburg, 26.09.2019 – „Bärbel Thießen war und ist ein Glücksgriff für unsere Klinik, das Holsteinische Brustzentrum und das BRCA-Netzwek“, betont Dr. Georgios Kolios, Leiter des Departments für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Klinikum Itzehoe. Bereits nach ihrer ersten Operation im Rahmen der mehrstufigen Rekonstruktion habe sie mit besorgten Patientinnen gesprochen und das Engagement stets weiter ausgebaut. Dabei mache sie nicht nur ihr Fein- und Mitgefühl zur perfekten Ansprechpartnerin, auch ihre Brustrekonstruktion selbst verdeutliche anschaulich Möglichkeiten und auch Risiken.

Vom Expander zum Eigengewebe und Eigenfett

Bärbel Thießen wurde bei der Entfernung des Tumors zunächst ein Expander als Platzhalter eingesetzt, dieser sollte den verbliebenen Hautmantel gedehnt halten und gibt Zeit, sich zunächst mit der Heilung zu beschäftigen. Nach einem Jahr verhärtete sich das Gewebe um den Expander, es kam zu einer schmerzhaften Kapselfibrose. „Ich war zu dem Zeitpunkt neu an der Klinik und froh, helfen zu können“, berichtet Dr. Kolios. Bärbel Thießen hatte sich für eine Rekonstruktion aus Eigengewebe entschieden, wollte aber den häufig genutzten Bauch als Spenderregion nicht verwenden. „Die Patientin hatte zunächst an Entnahme von Fett und Muskel aus dem Oberschenkel gedacht, ich konnte sie von einem Profunda Arterien Perforator Lappen überzeugen, dabei sitzt die Narbe am Oberschenkel weiter hinten und es wird kein Muskel entnommen“, erläutert Kolios die Vorteile. Die Patientin war zufrieden, die Narbe kaum sichtbar, die durch die Strahlentherapie geschädigte Haut der Brust wurde durch Haut vom Oberschenkel ersetzt und die gesunde Brust verkleinert und damit angeglichen. Leider kam es in Folge der Bestrahlung zur Dellenbildung oberhalb der rekonstruierten Brust, ein Defekt, der mit Eigenfett aufgefüllt werden konnte, welches durch eine Fettabsaugung am anderen Bein gewonnen wurde. Dabei wurde auch der leichte Größenunterschied der Beine nach der Brustrekonstruktion angeglichen. Nun sei nur noch die Tätowierung der in Teilen verlorenen Brustwarze offen.

Enge Kooperation Plastische Chirurgie / Gynäkologie

Eine derartige Behandlung erfordert umfassende Kooperation der ärztlichen Akteure, betont Dr. Kolios. So sei es von besonderer Bedeutung, dass bestenfalls alle Fachgruppen vor dem Ersteingriff mit der Patientin die Möglichkeiten einer späteren Rekonstruktion abwägen. „Nur so ist es möglich, dass der Gynäkologe bei der Entfernung des Tumors bereits erste Maßnahmen für eine spätere Rekonstruktion trifft“, erläutert der Plastische Chirurgie und lobt seinen Kollegen Dr. Uwe Heilenkötter, Chefarzt des gynäkologischen Krebszentrums seiner Klinik. „Transparent werden von uns im Team Vor- und Nachteile der Rekonstruktion mit Implantat im Vergleich zur Rekonstruktion mit Eigenfett dargestellt“, führt er aus. So sei Patientinnen oft nicht bewusst, dass sich eine mit Implantaten rekonstruierte Brust anders anfühle, anders bewege und nicht natürlich altere. Oft sei den Patientinnen auch das Risiko einer Kapselfibrose unklar und das die Haltbarkeit eines Implantates immer begrenzt sei – Folgeeingriffe seien also unvermeidbar. Hinzu kämen absehbare Probleme bei einer Implantatrekonstruktion nach Bestrahlung. „Bei uns, im Holsteinischen Brustzentrum, sind die Patientinnen stets gut informiert und können sich bewusst für die von ihnen nach Abwägung präferierte Lösung entscheiden“, stellt Dr. Kolios zufrieden fest und dankt Bärbel Thießen, die diesen schwierigen Entscheidungsprozess mit einer sehr nahbaren Perspektive aus ihrer eigenen Erfahrung heraus unterstützt.

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft der
 Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen e. V.

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