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Der PIP-Skandal hat den Plastischen Chirurgen bereits 2011 eindrucksvoll vor Augen geführt, dass ein verpflichtendes Implantatregister für die Erhöhung der Patientensicherheit unerlässlich ist“, berichtet Prof. Dr. Lukas Prantl, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). Seither fordere die DGPRÄC ein solches Register und habe der Politik bereits 2014 ein ausgearbeitetes Konzept vorgelegt. Prantl freut sich, dass die Bemühungen nun Früchte zu tragen scheinen. „Zur zweiten Jahreshälfte erwarten wir einen Gesetzesvorschlag und befinden uns aktuell in engem Dialog mit dem Gesundheitsministerium und dem Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), bei dem das Register verortet werden soll“, sagt Prantl und dankt Gesundheitsminister Spahn, dass er hier die Initiative ergriffen habe.

Probleme erkennen und reagieren

„Nur wenn wir ausreichend Daten haben, können wir Risiken frühzeitig erkennen und darauf reagieren. Leider sind die beim national zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eingegangenen Meldungen für uns nicht transparent, so dass wir erst reagieren können, wenn das BfArM warnt“, berichtet Prantl. Beim Register sei nun geplant, die Daten auch mit den Fachgesellschaften eng abzustimmen. Dies sei ein wesentlicher Fortschritt, denn nur durch fachspezifisches medizinisches Wissen sei eine sinnvolle Datenauswertung möglich. Hinzu komme, dass auch die abzufragenden Datensätze abgestimmt würden, ebenso wie technische und organisatorische Aufwände und Möglichkeiten. „Ich bin optimistisch, dass es so gelingt, die Sicherheit unserer Patientinnen nachhaltig zu erhöhen“, konstatiert er und hofft auf eine Lösung, die auch alle Implantate erfasse. „Dabei ist es unerheblich, ob die Implantate im Zuge rekonstruktiver oder ästhetischer Eingriffe genutzt werden. Wichtig ist, dass wir möglichst 100 Prozent abdecken. Dies ist in Deutschland komplexer als anderswo, da hier Implantate leider nicht nur von Plastischen Chirurgen, sondern auch von Gynäkologen und letztlich von Ärzten nahezu aller Fachgruppen implantiert werden“, so Prantl. Er fürchtet, dass es dadurch deutlich komplexer werde, privatärztlich implantierte Brustimplantate auch wirklich zu erfassen, da nicht klar sei, wer denn überhaupt Anwender sei.

Internationale Kooperation für mehr Sicherheit!

Bereits seit 2014 sei die DGPRÄC Mitglied der von der australischen Fachgesellschaft der Plastischen Chirurgen gegründeten „International Collaboration of Breast Registry Activities“ (ICOPBRA). Hier sei ein Kerndatensatz konsentiert worden, der dem internationalen Abgleich zugeführt werden könne, wenn mindestens 95 Prozent aller Brustimplantate national erfasst würden. „Ich freue mich, dass auch die deutsche Politik geneigt zu sein scheint, diese Chance auf ein internationales Pooling der Daten zu nutzen“, führt Prantl aus. Er verdeutlicht die Notwendigkeit am Beispiel des Brustimplantate Assoziierten Anaplastischen Zell-Lymphom (BIA-ALCL), einer extrem seltenen Erkrankung, deren Zusammenhang zu Brustimplantaten erst im letzten Jahr, nicht zuletzt basierend auf den australischen Daten, gesichert werden konnte. „Wir benötigen große Datenmaßen, um solche Dinge zu erkennen. So wundert es nicht, dass neben Australien auch die USA und Großbritannien ein verpflichtendes Register haben und Daten abgleichen. In den USA gelten die Daten nun als Ersatz für die dort verpflichtende Nachbeobachtung von Medizinprodukten nach Marktzulassung. In Europa wird dies mit der neuen Europäischen Medizinprodukteverordnung auch notwendig, so ließen sich hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, schließt Prantl.

 
Quelle: DGPRÄC

„Kosmetischer Chirurg, Schönheitschirurg oder ähnliche Bezeichnungen – all diese Begriffe sind nicht geschützt und suggerieren den Patienten eine de facto nicht vorhandene Qualifikation“, erläutert Prof. Dr. Riccardo Giunta, Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). Ein Problem, das auch die Ärztekammern erkannt hatten und daher bereits 2005 den Begriff „Ästhetik“ in die Facharztbezeichnung des Plastischen Chirurgen aufnahmen. „Damit wurde sichtbar klargestellt, dass die Plastischen Chirurgen für ästhetische Eingriffe am gesamten Körper ausgebildet sind. Der Wildwuchs konnte so aber leider auch nicht verhindert werden“, bedauert Giunta.

Rekonstruktion & Ästhetik – ein starkes Duo

So sei es weiterhin notwendig, dass Patienten sich vor einem Eingriff umfassend informieren, erläutert Giunta und rät dazu, sich zur Beratung auch Zweitmeinungen bei Fachärzten für Plastische Chirurgie einzuholen. „Wir haben in unserer Ausbildung anatomische Kenntnisse des gesamten Körpers und besonders präzise und feine Techniken erlernt“, führt Giunta aus und erläutert, dass dies eine Besonderheit sei. „Die meisten Fachärzte anderer Fachgebiete sind auf einen bestimmten Bereich des Körpers spezialisiert. Im Gegensatz dazu ist die Plastische Chirurgie am gesamten Körper tätig.“ Rekonstruktion und Ästhetik würden sich gegenseitig befördern: Wer etwa die Techniken zur ästhetischen Wiederherstellung einer ganzen Brust aus Eigengewebe nach Amputation wegen Brustkrebs beherrsche, habe auch die technischen Erfahrungen, gesunde Brüste mit Implantaten zu vergrößern. Hinzu komme, dass in beiden Bereichen ein besonderes Gespür für ästhetische Proportionen benötigt werde.

Vor dem Eingriff

Bei einem ästhetischen Eingriff handele es sich um medizinisch nicht notwendige Eingriffe. Umso wichtiger sei es, dass Patienten mit Bedacht vorgingen. „Wir raten dringend dazu, sich umfassend über Chancen und Risiken zu informieren und auch nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten zu fragen. Notieren Sie sich vorher Ihre Fragen. Nehmen Sie sich ausreichend Bedenkzeit“, fasst Giunta zusammen und weist noch darauf hin, dass insbesondere bei fachfremden Operateuren die Gefahr bestehe, dass diese für ästhetische Eingriffe möglicherweise gar keine Haftpflichtversicherung besäßen. Schließlich sei noch zu beachten, dass die gesetzlichen Krankenkassen für mögliche Folgekosten nach schicksalhaften Komplikationen in Folge ästhetischer Eingriffe Patienten angemessen beteiligen müssten. „Ein Risiko, über das aufzuklären ist und das sich auch versichern lässt“, berichtet Giunta.

 
Quelle: Berlin, 24.08.2018 – Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen

„Unsere vor 50 Jahren gegründete Fachgesellschaft erreichte vor einem Vierteljahrhundert den wohl wichtigsten Meilenstein. Auf dem Deutschen Ärztetag 1992 wurde der Facharzt für Plastische Chirurgie‘ in der ärztlichen Weiterbildungsordnung verankert und dann ab 1993 in den Landesärztekammern umgesetzt“, berichtet Prof. Dr. Riccardo Giunta, Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). „Dieser Erfolg war zugleich Ergebnis langjähriger Anstrengungen und Ausdruck der immer stärkeren Spezialisierung in der Chirurgie“, betont Giunta.

Ein Fachgebiet im Wandel
Bereits zehn Jahre nach Gründung der Vereinigung wurde 1978 mit der Anerkennung des offiziellen „Teilgebiet Plastische Chirurgie“ ein erster Erfolg errungen. Beharrliche Verhandlungen ebneten danach den Weg zum eigenen Facharzt für Plastische Chirurgie. „Dieser lange und mühsame Weg erstaunt umso mehr, da wesentliche Schritte zur Entwicklung dieses Jahrhunderte alten Fachgebietes von Deutschland ausgingen“, führt Giunta aus. So veröffentlichte bereits 1838 – also vor 180 Jahren – der Dresdner Arzt Eduard Zeis das „Handbuch der plastischen Chirurgie“ mit über 2000 Literaturzitaten zum Thema und legte damit den Namen der Fachrichtung fest. 1845 veröffentlichte Johann Friedrich Dieffenbach in Berlin „Die operative Chirurgie“ und definierte die Inhalte des Fachgebietes weiter aus. „Er setzte damit einen Rahmen, der bis heute unser vielseitiges Fachgebiet ausmacht“, konstatiert Giunta und führt aus, dass die Plastische Chirurgie aus den vier Säulen Rekonstruktive, Verbrennungs-, Handchirurgie sowie der Ästhetischen Chirurgie besteht, gestützt auf dem Fundament der Forschung.

Wegen der Kernkompetenz durch eine 6-jährige Weiterbildung im Fachgebiet bei ästhetisch-plastischen Eingriffen wurde der Titel 2005 auf dem Deutschen Ärztetag folgerichtig in „Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie“ erweitert. Im letzten Jahr beschloss der Deutsche Ärztetag dann, dass der Facharzttitel in „Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie“ angepasst wird. „Damit wird die Breite unseres Fachgebietes auch im Titel unterstrichen, so dass Kollegen und Patienten eher zu uns finden“, freut sich der Direktor der Plastischen Chirurgie an der Ludwig- Maximilians-Universität München.

Plastische Chirurgie – Gegenwart und Zukunft
„Mit heute rund 1.000 ausgebildeten Fachärzten ist die Plastische Chirurgie den Kinderschuhen längst entwachsen und leistet heute einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsversorgung“, berichtet  Giunta. Vom Diabetischen Fuß über Defekte nach großen Tumoren und Erkrankungen und Verletzungen der Hand bis hin zur Verbrennungsbehandlung – die Plastische Chirurgie sei in vielen Bereichen nicht mehr verzichtbar. „Es ist schade, dass wir bis heute um Anerkennung kämpfen müssen“, berichtet der Universitätsprofessor. So gäbe es heute lediglich an 11 von 37 universitären Einrichtungen einen plastisch-chirurgischen Lehrstuhl. „Dies ist umso bedauerlicher, als dass der Bedarf an plastisch-chirurgischer Versorgung mit zunehmender Alterung der Bevölkerung seit Jahrzehnten ständig wächst“, konstatiert der Plastische Chirurg und betont, dass die Plastische Chirurgie ein sehr innovatives Fachgebiet ist, da hier kaum standardisierte Verfahren sondern fast immer individuelle Lösungen gefragt seien. „Die Plastische Chirurgie akademisch nicht adäquat abzubilden, heißt bewusst den Fortschritt in der Chirurgie zu bremsen“, stellt Giunta abschließend klar.

50 Jahre DGPRÄC – Aktionen zum Jubiläumsjahr 2018

Am 16. Oktober 1968 wurde die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) in Bochum gegründet. Anlässlich des Jubiläums plant die DGRRÄC zahlreiche Aktionen. Unter www.50-jahre-dgpraec.de wächst eine elektronische Zeitleiste, in der die Geschichte der Plastischen Chirurgie und der Fachgesellschaft dokumentiert wird. Monatliche Presseinformationen zeigen die Vielfalt des Fachgebietes. Gemeinsam mit der Berliner Universität der Künste erstellte Animationsfilme zu den vier Säulen des Fachgebietes, der Rekonstruktiven, Hand-, Verbrennungs- und Ästhetischen Chirurgie stellen das Fachgebiet für den Laien verständlich dar. Bereits heute auf unserem Youtube-Channel abrufbar ist ein Film zum gesamten Fachgebiet: https://www.youtube.com/channel/UCwNpuMgE8hgF3zke-_Z43mg

Schließlich trifft sich die Fachgesellschaft zu ihrem Jahreskongress am Gründungsort in Bochum im September 2018 und plant am 16. Oktober 2018 erstmals einen bundesweiten Tag der Offenen Tür in Kliniken und Praxen ihrer Mitglieder.

 

Quelle: Berlin, 15.05.2018 – Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen

Zum Jahresende veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) ihre Statistik zu Patientenwünschen 2017 und gewährt damit einen Einblick in die aktuellen und überraschenden Trends der Schönheitschirurgie.

Schönheits-Trends 2017: Voller Busen, schmaler Bauch, straffe Augenlider

Berlin- Die Ergebnisse der zehnten bundesweiten Patientenbefragung der DGÄPC zeigen es eindeutig: im Vergleich zum Vorjahr hat sich einiges geändert. Obwohl die Zahl der Brustvergrößerungen absolut gesehen anstieg, steht sie nicht mehr auf Platz 1 der beliebtesten Schönheitsoperationen. Der am häufigsten geforderte Eingriff von Mann und Frau war in diesem Jahr die Augenlidkorrektur (14,1%), gefolgt von Platz 2: der Fettabsaugung (9,9%).

Jede vierte Frau suchte Facharzt für ästhetische Brustkorrektur auf

Einen Anstieg der Nachfrage nach Brustimplantaten konnte auch dieses Jahr von den Brustimplantat-Hersteller dokumentiert werden. Während die Zahl der Brustvergrößerungen im Vergleich zum Vorjahr anstieg, nahm auch die Zahl der chirurgischen Eingriffe bezüglich Bruststraffung und Brustverkleinerung zu. Ingesamt machte der Anteil an Brust-OPs dieses Jahr rund ein Viertel aller ästhetisch-plastischen Eingriffe aus.

Mehr Männer als je zuvor legten sich 2017 für die Schönheit unters Messer

Die Anzahl der Männer, die sich einem chirurgischen Eingriff unterzogen, betrug dieses Jahr 17,5%, das ist seit Beginn der Erhebung der Höchstwert. Ganz oben in der Beliebtheitsskala steht bei den Herren die Augenlidkorrektur (21%). Gut jeder Fünfte ließ sich Schlupflider oder Tränensäcke entfernen. Mit 12,2% steht Fettabsaugung auf Platz 2, gefolgt von Nasenkorrekturen (8,0%) und Bauchdeckenstraffung (7,0%).

Wunsch nach schöneren Brüsten weiterhin aktuell

Die Statistik gibt die Wünsche von Männern und Frauen als Gesamtbild wieder. Dass die Brustvergrößerung trotz relativem Anstieg nicht mehr auf Platz 1 ist, ist bei dem prozentualen Anstieg der männlichen Patienten und ihren beliebtesten Eingriffen, nicht weiter verwunderlich. Mit knapp 25% aller ästhetisch-plastischer Eingriffe, bleibt der Wunsch nach schönen Brüsten auch 2017 ein elementarer Bestandteil der Plastischen Chirurgie.

Quelle:
DGÄPC

Forscher um Dr. Sok-Sithikun Bun des Princess Grace Hospitals in Monaco haben beim EHRA Cardiostorm 2017 in Wien ihre aktuelle Studie vorgestellt: Eine Behinderung des Elektrokardiograms (EKG) durch Brustimplantate kann zu falschen Aussagen über Herzinfarkt-Diagnosen führen.

Monaco- Eine Gruppe Kardiologen führte im Rahmen der Studie bei 48 Frauen ein EKG durch; 28 von ihnen hatten Brustimplantate, die übrigen 20 dienten als Kontrollgruppe. Vorherige Untersuchungen (Echokardiografie, bei Brustimplantaten nicht ganz einfach) schlossen strukturelle Herzerkrankungen o.ä. aus- die Frauen im Alter von etwa 42 Jahren waren gesund.
Ausgewertet wurden die EKG-Aufzeichnungen von zwei Spezialisten; beiden lagen keinerlei Angaben zu Geschlecht, Alter, Krankengeschichte oder vorliegenden Implantaten der Patienten vor.

Brustimplantate als elektrischer Störsender

Wie sicherlich zu erwarten, wurden bis auf 5% alle Frauen der Kontrollgruppe von den Spezialisten als unauffällig, also normal eingestuft. Die Auswertung der EKG-Aufzeichnungen der Frauen mit Brustimplantaten sah da schon anders aus:
Hier wurden 38% bzw. 57% der Frauen als auffällig eingestuft.
Die negativen T-Wellen in den Ableitungen V1 bis V4 wurden als ST-Senkungen missinterpretiert; diese deuten auf eine insuffiziente Durchblutung des Myokards hin, also eine koronare Herzerkrankung oder gar ein Herzinfarkt.
Da Brustimplantate der einzige Faktor sind, der die Testgruppen voneinander unterscheidet, leitet sich das Team die Fehlinterpretation daraus her.

Bei Beschwerden den Arzt über Brustimplantate informieren

Brustimplantate können beim EKG die ST-Senkungen oder -Hebungen verändern. Ein Experte der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt Frauen mit Brustimplantaten bei Brustschmerzen, den behandelnden Kardiologen über das Vorhandensein der Implantate aufzuklären (falls nicht ohnehin sichtbar), um die Diagnose mit einer Messung des kardialen Troponins abzusichern.
Außerdem ist es immer ratsam vor einer Brustoperation ein Vergleichs-EKG anfertigen zu lassen, um dieses als Referenz nutzen zu können.


Quelle:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/76465/Brustimplantate-koennen-EKG-Messung-verfaelschen
© gie/aerzteblatt.de

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